Geisteswissenschaft-konkret

Es zählt zu den grundlegenden Zielsetzungen von geisteswissenschaftlicher Forschung und Lehre, durch Reflexion und Analyse zur selbstbestimmten Meinungsbildung beizutragen. Das Projekt «Geisteswissenschaft-konkret» nimmt sich der Aufgabe an, solchen Überlegungen den entsprechenden Raum zu bieten. 

In Interviews mit Forscherinnen und Forschern der UZH und der FU Berlin werden jeweils in drei Fragestellungen der wissenschaftliche Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Probleme beleuchtet und reflektiert. Die Interviews werden als Videoclips einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie sind als Denkanstösse für weitere Diskussionen und Debatten gedacht.

 

Neu:

Podcasts:

Religion ist Gefahr und Ressource zugleich

Religion als politisch relevanter Forschungsgegenstand? Wahlkämpfe mit religiöser Rückendeckung, lebensgefährliche Schuldzuweisungen an bestimmte religiöse Gruppen im Kontext von Covid-19 und religiöse Gewaltbereitschaft in vermeintlich säkularen Gesellschaften – Religion bietet nicht nur Potenzial für Lebenssinn und ethische Lebenspraxis. Nur fundiertes Wissen und Verstehen religiöser Kontexte ermöglicht Prävention und einen konstruktiven Umgang im Fall religiöser Konflikte. Dorothea Lüddeckens erforscht als Religionswissenschaftlerin ohne religiöse Brille religiöse Sachverhalte in Büchern und Twitternachrichten, vor allem aber hört sie Menschen zu.

 

Die langwierige Erfolgsgeschichte der Menschenwürde

Die Idee der Menschenwürde gilt heute als anthropologische Grundaussage, auf die sich zahlreiche konkrete ethische, rechtliche und politische Urteilsbildungen beziehen. Doch wann und wie hat sie sich durchsetzen können? Konrad Schmid gibt im Gespräch mit Frank Rühli über nähere, aber auch entferntere Wurzeln dieser Idee in der menschlichen Geistesgeschichte Auskunft. Alles weitere zur Initiative.

Literatur kann auch schmutzig sein

Wozu Literatur und wozu Literaturwissenschaft? Die Literaturwissenschaft hat sich grundlegend gewandelt: Aus der einstigen schöngeistigen Disziplin, die dem bildungsbürgerlichen Lesepublikum die ästhetischen Qualitäten der 'Höhenkammliteratur' erklärte, ist eine Wissenschaft geworden, die sich mit allen Textformen und Textgattungen befasst - von Klassischer Literatur bis zu Rap-Lyrics und populären Serien. Was erzählen sich die Menschen über sich selber in ihren Geschichten, welche Vorstellungen von sich entwickelt eine Gesellschaft in ihren Sprachkonstrukten? Der Mensch lebt seinem Bewusstsein nach zu wesentlichen Teilen nicht in 'harten' Fakten, sondern in seinen sprachlichen Entwürfen und Fiktionen: Diese zu analysieren und in ihren Leitstrukturen zu erhellen ist daher zu einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe der Literaturwissenschaft geworden. Beat Glogger ist Wissenschaftsjournalist, Daniel Müller Nielaba ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft.

Was machen wir bloss mit all den Expert*innen?

Die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, übersteigen je länger desto mehr das Alltagswissen von Einzelnen. Deshalb ist man auf Experten-Wissen angewiesen. Allerdings gehen die Meinungen von Expertinnen und Experten häufig auseinander, auch wenn es in manchen Fragen durchaus wissenschaftlichen Konsens gibt. Wie sollen wir mit der Vielfalt von Meinungen umgehen? Was unterscheidet diese Meinungen von willkürlichen Vorlieben? Wo sind die Grenzen des Experten-Wissens? Markus Huppenbauer, Professor für Ethik an der Theologischen Fakultät, lässt uns – wenige Wochen vor seinem allzu frühen Tod – an seinen Versuchen teilhaben, solche Fragen zu beantworten.

Zukunft braucht Herkunft

Wir leben in einer Zeit massiver Veränderungen und des Umbruchs. Angesichts der damit verbundenen Verunsicherung steigt weltweit das Bedürfnis, Orientierung und Halt in der Geschichte zu finden. Die Antike als «nächstes Fremdes», das uns in mancher Hinsicht nachhaltig geprägt hat, bietet sich als Spiegel und kritischer Referenzpunkt für aktuelle Entwicklungen geradezu an. Das neue ZAZH – Zentrum Altertumswissenschaften Zürich (www.zazh.uzh.ch) will in diesem Sinne dazu beitragen, den Blick für die Problematik und historische Kontingenz unseres Selbstverständnisses zu schärfen und aus der Erschliessung der uns ebenso fremden wie vertrauten Antike heraus die Sensibilität für das «Andere» zu stärken.

Mit welchem Preisschild darf ein Menschenleben angeschrieben werden?

In der zeitgenössischen, wesentlich durch die Ökonomie geprägten Gesellschaft stellt sich immer dringender die Frage, ob ein Menschenleben mit einem Preisschild versehen werden darf. Moderne Formen von Sklaverei behandeln Menschen wie ökonomische Ware. Wieviel darf ein Medikament kosten, mit dem ein Menschenleben gerettet werden kann? Wer die Würde des Menschen für unantastbar hält, kommt dennoch in ein Dilemma: Die begrenzten Ressourcen führen dazu, dass der Schutz des Menschenlebens gegen die dadurch entstehenden enormen Kosten abgewogen werden muss. Markus Huppenbauer, Professor für Ethik an der Theologischen Fakultät, lässt uns – wenige Wochen vor seinem allzu frühen Tod – an seinen Überlegungen teilhaben, mit diesem Dilemma vernünftig und human umzugehen.

Vom Verständnis der Sprachen

Was ist Sprachwissenschaft, und wo ist sie zu verorten innerhalb der verschiedenen universitären Disziplinen? Die Linguistin Elisabeth Stark, Expertin für romanische Sprachen und leitend beteiligt an einer ganzen Reihe interdisziplinärer Forschungsinitiativen, erläutert die Entwicklung der Sprachwissenschaft aus den Philologien bis hin zur modernen empirischen Linguistik mit experimentellen Ansätzen. Sie zeigt die Relevanz wissenschaftlicher Sprachbetrachtung für das Verständnis moderner Kommunikationsprozesse und lädt die genuin hermeneutischen Disziplinen ein, in grösseren Verbünden ihre Themen selbstbewusst zu setzen.